Robby “Vincent” Rigling
Robby ist legaler Effekthascher! Vor einiger Zeit bemerkte Gesellschafter Robby seine Neigung zum manischen Masenmörder, und die Rolle des “Psychos” Vincent schien wie für ihn
geschaffen! Trotzdem - Robby ist eigentlich (fast) ein Zeitgenosse wie Du und ich! Er liebt naive Reime und platte Wortspiele im Stil einer deutschen Zuspätromantik und kann seine eigenen Witze bis zum Exzess auskosten. Von Beruf ist Robby
Student; daneben zeichnet er sich aus als Dada-Pianist und Perfektionist im Müßiggang. Als überzeugter Anarchist und Nihilist findet er seinen Seelenfrieden und träumt davon, nach seinem Tode eingeäschert zu werden und als Dünger einer Eiche
zu dienen (was bereits zu erbitterten Diskussionen mit Nadine, die sich unbedingt eine Seebestattung wünscht, führte). Sein Musikgeschmack ist so bunt wie seine Weste: Queen, The Nice, Element of Crime (er hat sogar deren Newsletter
abonniert!), Tom Waits, Doors, Depeche Mode, Kraftwerk, Manu Cao, The Cure, Lacrimöse, Joy Division, TonSteineScherben, Nick Cave... Außerdem malträtiert er seine Besucher gerne, indem er penetrant Elvis, Zarah Leander oder Aristide Bruant
auflegt! Robby haßt es, sein intimstes Seelenleben grundlos einer anonymen Öffentlichkeit preiszugeben (einen Teil seiner innersten Gefühle verarbeitet er allerdings in der Musik der G.o.H. und lebt dort auch seine Wahnvorstellungen aus).
Trotzdem hat er exklusiv für diese Seite ein Interview gegeben - vielen Dank!!!!



Interview
Robby, wie kamst du überhaupt dazu, ein Hörspiel zu machen? Also, das kam recht unverhofft. Eigentlich war es Nadines Idee. Wir fingen da mal an, einen Text von ihr zu vertonen, und aus den Texten wurde schnell eine Handlung. Künstlerisch gesehen war ich selbst in einem Sommerloch. Meine Arbeit an den eigenen Projekten stagnierte, und da sagte ich “Warum nicht?!” Hast Du vorher schon mal ein Hörspiel gemacht? Ja. Es hieß “Iphigenie”. Das war aber eher so ein Spaßprojekt. Es hatte keine richtige Handlung und auch keine wirklich ausgearbeiteten, zusammenhängenden Dialoge, sondern war ein spontanes Projekt mit zwei Freunden. Waren die Erfahrungen, die du dabei gemacht hast, hilfreich für deine Arbeit bei “Illusion”? Nein, das hat damit nichts zu tun gehabt. Du sagtest vorhin, ihr habt einfach mal einen Text vertont. Die Handlung von “Illusion” stand also nicht von Anfang an fest? Für mich eigentlich nicht. Ich wußte nicht, wie es ausging. Nadine hatte sich wohl schon den Handlungsstrang fragmentarisch überlegt.

Und du kanntest ihn nicht? Ich kannte noch nicht genau den ganzen Spannungsaufbau. Wir arbeiteten nur von Szene zu Szene. Als wir zum Beispiel an der dritten oder vierten Szene gearbeitet hatten, war die fünfte oder sechste Szene und auch der Rest noch überhaupt nicht als Dialog geschrieben. Auf dem Cover steht: “Text, Idee & Regie: Nadine Muriel, Musik & technische Umsetzung: Robby Rigling”. Damit sind ja die Kompetenzen genau zugeordnet. War dieseVerteilung auch in Wirklichkeit so strikt, oder gab es auch Überschneidungen? Von strenger Verteilung kann gar nicht die Rede sein. Es hat sich halt so ergeben, daß Nadine hauptsächlich für die Texte und Dramaturgie verantwortlich war und ich für Effekthascherei und Musik. Ich bin kein Schriftsteller und kenn´ mich im texten nicht aus. Wie kann ich mir dann die Zusammenarbeit vorstellen? Ich meine, war es so, daß jeder sozusagen im stillen Kämmerlein seinen Kram gemacht hat, oder habt ihr Text und Musik doch mehr oder weniger zusammen entwickelt; so im Sinne, daß Nadine deine Musik kommentiert und beeinflußt hat oder auch, daß du mal gesagt hast, nee, Moment, so kann der Text nicht aussehen, das muss anders gemacht werden?!

Wir haben da nur ein Achtspur-Aufnahmegerät. Wir haben keinen “echten” Proberaum oder ein Studio, dementsprechend arbeiteten wir an jeder Szene zusammen. Wobei ich recht viel gefordert war, da nur ich mich mit dem Gerät auskannte, in den meisten Szenen sprechen musste und auch alle Musikeinlagen kreierte. Kein Proberaum... Dann habt ihr also die Aufnahmen bei euch zu Hause gemacht?! Was haben denn die Nachbarn dazu gesagt? Wir fingen die Arbeit bei Nadine an. Damals hatte ich noch keine eigene Wohnung. Nadines Nachbarin war manchmal nicht sehr tolerant und die konstante Arbeit kam daher schnell ins Stocken. Als ich dann eine eigene Wohnung hatte, konnten wir effektiver arbeiten. Probleme mit
meinen Nachbarn gab´s nicht. Wir versuchten allerdings auch, nur zu “seriösen” Tages- und Nachtzeiten zu arbeiten. Zumindest ließ uns kein Nachbar wissen, daß wir zu laut waren, falls es mal ausuferte. Aber egal! Wir haben die Arbeit ohne Anzeige wegen Ruhestörung überstanden und meine Vermieterin hat mir noch nicht gekündigt!

Und verlief die Zusammenarbeit zwischen dir und Nadine immer friedlich? Manchmal kam es schon zu Reibereien. Es ging jedoch meistens nicht um künstlerische Fragen, sondern nur darum, daß es mir selbst manchmal nicht gelang, konzentriert am Stück zu arbeiten. Oft war ich schnell müde und lustlos, da ich quasi in jeder Szene gefordert war und dadurch immer unter Strom stand, was mich schnell auslaugte, besonders, als die Arbeit an “Illusion” sich in die Länge zog und kein Ende in Sicht war. Grundsätzlich: Ist Nadine ein Mensch, mit dem Du gut gemeinsame kreative Projekte verfolgen kannst? Eigentlich schon! Es muss nur klar sein, wessen Projekt es ist, da wir künstlerisch schon eine unterschiedliche Auffassung von Ästhetik haben. Und war es bei “Illusion” klar? Ja! Ich habe versucht, mich musikalisch in ihre Texte hinein zu versetzen und immer den künstlerischen Kompromiß gesucht. Aber kamst du dir dabei nicht ausgenutzt vor - so nach dem Motto: “Der Handlanger, der selbst nichts zu sagen hat”?
So schlimm war das wiederum auch nicht. Besonders wenn es um die praktische, d.h. technische Umsetzung ging, habe ich das Szepter geführt. Es lag an mir, die passenden Effekte vorzuschlagen, da ja nur ich wissen konnte, welche Effekte zur Verfügung standen und sich realisieren ließen.

Dich verbindet mit Nadine ja mehr als nur die Zusammenarbeit an künstlerischen Projekten... Ja, privat läuft da auch was zwischen uns. Wir gehen seit fast drei Jahren miteinander und sind immer noch glücklich verliebt. Ist es denn da nicht manchmal schwierig, “Privates” und “Berufliches”, also “Kreatives” auseinanderzuhalten? Ich meine, beeinflußt da nicht das Privatleben die gemeinsame Zusammenarbeit - und umgekehrt? Natürlich ist es da recht schwierig, beides voneinander zu trennen... Letztendlich ist es auch nicht möglich! Wenn wir uns so im Privaten mal zanken, werden wir uns dann bestimmt nicht im Anschluß daran friedlich zusammensetzen, um künstlerisch zu arbeiten; so, als ob nichts gewesen wäre! Hat die Zusammenarbeit an “Illusion” auch euer Privatleben oder eure Beziehung beeinflußt? Eigentlich nicht... Außer, daß wir neue Gemeinsamkeiten entdeckt haben, die die Beziehung nur bereicherten! Es heißt aber nicht, daß wir jetzt jedes kreative Projekt
zusammen machen müssen. Jeder von uns geht immer noch eigene künstlerische Wege.
Welche sind das bei dir? Ich meine, welche Projekte verfolgst du zur Zeit? Ich bin Musiker. Ich mache surreale Musikprojekte. Zur Zeit schreibe ich eine abstrakte Oper, bin aber noch nicht sehr weit gekommen. Meine ersten Klangexperimente kann man hier bewundern: www.gesellschaftohnehoffnung.com Gibt es Parallelen zwischen deinen persönlichen Projekten und “Illusion”? IrgendwelcheGemeinsamkeiten? Oder nur Unterschiede? Eher Gemeinsamkeiten. Die Intention meiner Musik ist auch der “Wahnsinn”, und am Ende steht dann ebenfalls die Auflösung gesellschaftlich akzeptierter Werte.
Dann war die Rolle des “Vincent” ja ideal für dich! Hast du sie dir selbst ausgesucht? Nein! :-( Es hat sich so ergeben, daß ich gut die Rolle des Verrückten übernehmen kann. Ich kann mich gut in Vincent hinein versetzen, da ich mir privat auch gern Verschwörungstheorien ausdenke.

Könntest du dir auch vorstellen, einen Mord zu begehen? Oder zumindest einen Selbstmord? Nein! Vielleicht eher einen Selbstmord. Indirekt bin ich vielleicht auch ein Mörder, aber nur im symbolischen Sinne: Ich morde musikalische Normen und verstehe mich in diesem Sinne als Amokläufer in der westeuropäischen Harmonielehre. Aber warum das :-( ? Hat es dir keinen Spaß gemacht, Vincent zu spielen? Doch! Das :-( war nicht so negativ gemeint. Das Hörspiel ist wohl autobiographischer geworden als gedacht, aber dazu schweige ich mal. Das :-( ist ironisch zu sehen und besser zu verstehen, wenn man davon ausgeht, daß ich selbst Bestandteil von Nadines Biographie bin und es nun quasi an mir lag, symbolisch gesehen, die Rolle von Nadine zu spielen. Dann bist du also - auf Nadines Biographie bezogen - Undine? Vielleicht?! Aber das weiß nur die Regiseurin selbst, oder?! ;-) Kannst du dich denn mit Undine identifizieren? In Bezug auf ihre Naivität schon. Nur ihr teeniehaftes Rumgeglucke wäre mir zu flach. Nadine spielt in ihrem Stück zwei Rollen. Sie ist vielleicht schizophren. Sie begegnet sich
selbst im Theaterstück ihres Lebens, und die eine Persönlichkeit bringt die andere Persönlichkeit um. So schließt sich dann der Kreis wieder. Dann wäre Nadine also auch Vincent... Würdest du denn Nadine zutrauen, einen Mord zu begehen? Ich weiß nicht. Vielleicht... Nein, eigentlich eher nicht. Höchstens einen literarischen Mord.
hier kannst Du mal probeweise reinhören