Rollànd “Roland” Schnell

Rollánd, freischaffender Musiker, Künstler und Regisseur. Rollánds frühere Werke aus der Zeit zwischen 1991 und 2001 entstanden überwiegend im musikalischen surrealitischen Konglomerat der Gesellschaft ohne Hoffnung (G.o.H.). Aus dieser Zeit stammt die Verbindung mit dem Produzenten des Hörspiels, Robert Rigling.  Autorin und Dramaturgin Nadine Muriel wählte ihn für die Rolle des Roland,  welche er gerade aufgrund seines gepflegten narzistischen Wesens perfekt zu repräsentieren scheint. Nebenbei versucht er sich schon länger am Komponieren perfekter Popsongs und dem Kreieren eines perfekten Images von sich selbst. Zur Debatte stünden Popidol, Rockidol, Filmidol, Idol, Sexsymbol und viele andere mehr. Rollánd arbeitet zur Zeit an der Produktionen seines ersten Kurzfilmes, einer Rockstardokumentation über sich selbst (Arbeitstitel: „Generalimporteur“). Nadine Muriel wird in diesem Film in die Rolle einer jungen, aufgeschlossenen Szene-Journalistin schlüpfen. Geplanter Veröffentlichungszeitpunkt ist das Frühjahr 2003. Weitere Filmprojekte sollen folgen in bekannten Genres wie Western, 30er Jahre Schwergewichtsboxkämpfe, Neudarstellungen einschlägiger Terrorakte und weitere Storys von Helden und Verlierern. Die Soundtracks hierzu und weitere Infos zu seinen Projekten und ihn selbst findet ihr unter www.rollandinho.com.    

 

Interview

O.k., Rollànd, mal ganz allgemein: Wie kamst Du überhaupt dazu, bei dem Hörspiel „Illusion“ mitzumachen?                                                                                                   Nadine hat mich gefragt. Es hat mich auch gleich interessiert, an einem Hörspiel mit richtigem Drehbuch und richtiger Dramaturgie mitzumachen. Wir hatten mit der G.o.H. schon mal Versuche gestartet, aber das war nicht so, dass wir wirklich ein Drehbuch und vorgeschriebene Texte und so hatten. Ich fand es auch interessant von der Thematik her, na ja, so weit ich das abschätzen konnte, aber ich wusste ja, in was für einem Stil Nadine immer schreibt.                                                                                    Warst du denn auch bei allen Aufnahmen dabei?                                                            Nein, überhaupt nicht. Ich war eigentlich nur ein Mal beteiligt, als es eben darum ging, meine Szene einzusprechen, und dann war ich noch mal beim Abmischen dabei. Ich durfte auch ein paar Effektgeräte stellen und ein, zwei Gesangsongs mitbestimmen Allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch sehr wenig über „Illusion“.              Stand denn die Handlung überhaupt schon fest, als du mitgemacht hast?                     Die Handlung? Das weiß letztendlich nur die Nadine. Ich hatte schon den Eindruck, dass alles genau ausgearbeitet war. Es war auch festgelegt, dass an diesem Tag spezielle Szenen aufgenommen werden. Das Hörspiel war auch fast fertig, zumindest zu 70% schon aufgenommen. Ja, es war schon recht strukturiert. Da war nicht mehr viel Platz für Varianzen.

Wie groß war denn überhaupt dein Mitspracherecht? Ich meine, kamst du dahin, hast deinen Part eingesprochen und bist wieder gegangen, oder konntest du auch ein bisschen was mitbestimmen und dich sonst noch kreativ einbringen?                              Mitspracherecht in der Gesamthandlung hatte ich jetzt nicht. Immerhin war ein gewisser Interpretationsfreiraum in meiner Rolle da. Aber ich muss auch hier sagen, im Großen und Ganzen hat Nadine schon gewusst, was sie wollte, und sie hat auch ganz klar gesagt, wenn etwas nicht in dem Stil war, wie sie es sich gedacht hatte. Mein Beitrag war außerdem der Name von Vincent. Wir haben einen Namen gesucht, und ich hab mich an dieses Kicker-Sonderheft erinnert und daraus die Namen der französischen Nationalspieler vorgelesen; dabei kamen wir auf Vincent. Vincent Kandela ist ein Abwehrspieler aus Frankreich.                                                                                                                                        Zu den Namen wollte ich sowieso noch was fragen. Das ist ja eine sehr markante Sache bei „Illusion“: Alle haben irgendwelche erfundenen Namen, nur du hast deinen eigenen Namen behalten. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?                                                               Nadine hatte den Namen schon so gewählt, die dachte wohl, das passt. Aber ich persönlich bin schon ganz froh, dass es so geworden ist. Ich definiere mich über meinen Namen, mein

Name ist mir ganz wichtig, und ich finde es eine sehr schöne Sache, dass ich mit dem Namen auch ins Hörspiel reingehen durfte. Ich muss dazu sagen, dass ich auch das Gefühl hab, dass in der Rolle, die ich spiele, tatsächlich auch Originalfacetten aus meiner Persönlichkeit herauskommen. Insofern fühl ich mich ein bisschen als „Ich“ in dem Hörspiel repräsentiert.

Also war es nicht schwierig für dich, sich mit der Figur des „Roland“ zu identifizieren?                                                                                                    Nein. Ich hab eine relativ lebhafte Phantasie, und wenn ich so was mache, versetz ich mich komplett in diese Situation rein. Diese Person „Roland“ im Hörspiel ist auch tatsächlich nicht so weit weg von mir selbst, daher war es nicht schwer für mich, ihn mir vorzustellen.                                                   War es nicht irgendwie problematisch, dass diese Figur nur so am Rande auftaucht? Von allen anderen Figuren wird irgendwas typisches, charakteristisches vermittelt; allein bei dieser Figur bleibt alles ganz verborgen. Es ist die am wenigsten klare Gestalt. Hat das dir keine Schwierigkeiten bereitet?                                                                                    Ich fand es gerade deshalb auch interessant. Es war darüber hinaus von

Vorteil, dass ich nicht genau wusste, wie die anderen Charaktere in dem Hörspiel sind. Dadurch konnte ich mich wirklich voll auf diese Rolle konzentrieren und hab sie auch ganz naiv und unbefangen gespielt, was das Ganze authentischer macht. Klar, ich hatte bei „Illusion“ keine allzu große Rolle, aber ich empfand es als spannend, hier auch einen Teil von meiner Persönlichkeit beizusteuern.

Warst du denn nicht enttäuscht, dass es nur so eine kleine Rolle war?                       Nein, überhaupt nicht! Ich war eher total geschmeichelt, dass ich überhaupt mitmachen durfte und dass Nadine mich ausgesucht hat.                                                                   Das heißt, du konntest dir die Rolle nicht selbst aussuchen?                                         Nein, das war schon vorgegeben. Nadine hat sich sicherlich was dabei gedacht, dass sie mich dafür ausgewählt hat; vielleicht hat sie gedacht, das würde zu mir passen.   Wie könntest du dir denn diesen „Roland“ aus dem Hörspiel überhaupt vorstellen?     Da stell ich mir mich selber vor. Original eins zu eins!                                                    Dann ist das also auch die Figur, mit der du dich am ehesten identifizieren kannst?     Ja, absolut. Die Hauptfigur ist von ihrer Art her, ihrer Persönlichkeit her, viel zu weit weg von mir selbst. Na, ansonsten spielt ein Haufen Mädels mit, die sind auch etwas anders... Ich hab ja auch weibliche Seiten, aber diese Mädels sind dann doch sehr unterschiedlich von mir. Doch, der Roland ist mir schon am rollàndigsten.                      Mit Vincent könntest du dich also nicht identifizieren?                                           Überhaupt nicht, weil... Ich möchte jetzt nicht hier als der oberflächliche Typ rüberkommen,  aber trotzdem...Vincent ist schwermütig, melancholisch, sensibel und voller Weltschmerz... Er ist ganz anders als ich! Er setzt sich zu Hause hin und tippt, in seinen Gedanken verloren, seine Texte. Ich bin tatsächlich ein bisschen unkomplizierter.

Könntest du dir denn vorstellen, wie Vincent einen Mord zu begehen?          Das ist eine gute Frage. Ich war noch nie selbst in der Situation wie Vincent, aber ich weiß auch nicht, ob ich jemals der Typ dazu bin. Außerdem  tu mich generell schon schwer, sogar Insekten zu töten... Früher, als Kind, hab ich regelrechte Genozide veranstaltet und ganze Ameisenstämme ausgerottet, aber heute hab ich sehr starke Gewissensbisse; bei jedem kleinen Tier, das ich tot trete, überlege ich mir schon, hey, das war jetzt nicht in Ordnung - und zwischen einem kleinen Insekt und einer Frau ist ja auch noch mal ein Sprung! Ist sehr schwer vorzustellen! Und dann gerade diese Aktion da mit der Badewanne! Das ist ja noch mal so was, wo ich sagen muss, kann man das nicht einfacher haben, einfach mal einen Kopfschuss setzen, muss man sie gleich in der Badewanne ersäufen? Ist schließlich auch kein schöner Anblick.

Ich könnte dann nie wieder baden! Ich bin sensibel, ich kann weder Leichen, noch Blut sehen. Eine Frau so abzumeucheln... Da muss schon viel passieren, aber ich weiß auch nicht, was Frauen noch im Stande sind, mit mir zu machen. Vielleicht kommt es eines Tages so weit. Aber ich würde jetzt mal eher nein sagen.

Hat denn „Illusion“ überhaupt eine Bedeutung für dich? Ist das eine Handlung, die dir irgendwas sagt?                                                                                                                                                       Am Anfang hatte ich den kompletten Plot von „Illusion“ weder ganz gehört, noch ganz verstanden, weil ich auch nicht die Muße hatte. Jetzt, nachdem ich ein paar mal reingehört hab, erschließt sich mir die Handlung viel mehr, so dass ich sagen muss, ich finde es sehr interessant. Ich kann den Handlungsstrang sehr gut nachvollziehen, und es sind faszinierende Persönlichkeiten, die dort interagieren. Wichtig ist natürlich schon, dass ich auch persönlich dabei sein durfte. Auch finde ich es bewundernswert, einfach solche Gedanken, solche Ideen zu haben, derartige Plots zu stricken. Vielleicht kann ich auch ein bisschen was von solchen Menschen lernen.                                                                                                                               Aber angenommen, du hättest selbst nicht mitgemacht, würdest die Leute nicht kennen und würdest es jetzt einfach so hören... Würde es dir trotzdem irgendwas sagen?                          Aber selbstverständlich!                                                                                                                        Du könntest dich also trotzdem damit identifizieren, irgendwas von dir darin wiedererkennen oder dich angesprochen fühlen?

Ich würde es mir auch ohne weiteres so anhören, und es würde mich sehr interessieren. Was ich an mir wiederfinden könnte... Ich bin generell ein Mensch, der sich für Persönlichkeiten, Abgründe von Menschen, Gedankenwelten interessiert. Für mich ist das eine ganz spannende Sache, in diese andere Gedankenwelt einzutauchen und zu sehen, was passieren kann, wenn so andere Persönlichkeiten eine Geschichte miteinander haben. Es ist sehr interessant, wie dieser Vincent und diese Undine ihre eigene Welt aufbauen und wie diese unterschiedlichen Charaktere auch auf eine ganz merkwürdige Weise miteinander funktionieren... Das ist einfach spannend, etwas Unbekanntes.

Bist du denn generell auch mit der Umsetzung von dem Hörspiel zufrieden, wenn du es dir anhörst? Oder gibt es Stellen, die du anders gemacht hättest?                             Stellen, die ich anders gemacht hätte... Dazu möchte ich jetzt nichts sagen, weil ich einfach weiß, von mir selber, wenn ich so etwas mache, dass der Regisseur ganz genaue Vorstellungen hat. Deshalb lass ich mich da voll drauf ein. Es ist nicht mein Part, zu sagen, das müsste anders sein... Eben weil ich nicht genau weiß, wie es werden soll. Mit der Umsetzung bin ich sicher zufrieden! Gerade wenn man auch die vorhandenen technischen Möglichkeiten betrachtet, ist es sehr gut gemacht, mit sehr viel Liebe fürs Detail. Es wurde eindeutig mit einem großen Arbeitsaufwand und Perfektionismus gemacht, da kann man wirklich nur jede Menge Respekt haben vor so viel Kreativität und Schaffenskraft. Ich hätte das mit Sicherheit niemals besser gekonnt.                             Jetzt komme ich konkret noch mal zu einer Szene, bei der du auch mitgespielt hast. Es handelt sich um die legendäre Liebesszene mit Veronique Anselm. Die Umsetzung da ist ja ganz eigentümlich: Eindeutig zweideutig! Alles wird angedeutet, so dass man schon weiß, was los ist, aber nichts wird wirklich ausgesprochen und sobald es spannend wird, wird ausgeblendet. Hättest du diese Szene genauso gemacht?                               Vielleicht hätte ich ein bisschen mehr den Macho rausgehangen und wäre etwas gröber mit Veronique umgegangen. Wenn ich das wirklich nur so gesprochen hätte, wie ich mir

das vorstelle, dann wäre ich tatsächlich etwas anders rübergekommen. Das hat Nadine auch korrigiert an mir. Dann hab ich´s auf die ganz softe Nummer probiert, das war halt der Nadine wieder zu brav, und dann musste ich irgendwo in der Mitte landen.

Und das ging so einfach? Gerade bei einer Szene wie dieser?             Es fiel mir nicht ganz leicht. Es war von den wirklichen Sprechern her eine etwas pikante Situation, und ich muss sagen, ich hab das da auch vier- oder fünfmal probieren müssen; ich hab mich da bei den ersten paar Mal nicht mehr eingekriegt vor Lachen. Es war einfach eine witzige Szene, wenn man weiß, wie es im realen Leben zwischen den beiden Sprechern steht oder stand. Ich musste mich zusammenreißen, ich hab auch zwischendurch 5 Minuten Pause gemacht und bin erst mal ins Bad gegangen, um mich zu beruhigen. Eben weil ich die Person kenne, die die Rolle der Veronique spielt, hätte ich diesen Part ein bisschen straffer gesprochen und ein bisschen machomäßiger.

Kannst du jetzt überhaupt noch anderen Leuten einen Kaffee anbieten, ohne in Gelächter auszubrechen?                                Aber natürlich!                                                                                                                                                                                                     Du bist ja selbst auch Künstler, machst ebenfalls kreative Projekte... Gibt’s da Parallelen  zu Illusion? Irgendwelche Ähnlichkeiten? Oder eher Unterschiede?                                                                                                                                                   Ich hab vorher Musik gemacht, und jetzt arbeite ich daran, Musik und Film als Gesamtwerk zu schaffen. Insofern gibt es da schon Parallelen. Robby und Nadine haben Text und Musik miteinander gekoppelt und daraus ein Gesamtwerk gemacht. Und gerade mit verschiedenen Medien arbeiten ist das, was mich in Zukunft mehr interessiert. In diese Richtung möchte ich auch, um einen noch stärkeren Effekt zu erzeugen, um noch mehr sagen zu können, um noch mehr Handhabe zu haben, Instrumente des Ausdrucks zu bekommen. Ich hab das Gefühl, mit Musik komm ich nicht wirklich weiter, oder es ist für mich einfach zu ausgereizt, und ich möchte jetzt versuchen, vermehrt Handlung oder Bilder mit Musik zu einem Gesamtbild zu fusionieren. Und Illusion ist ja in diesem Bereich auch ambitioniert. Gerade die Art und Weise, wie hier eben Handlung und Musik interagieren und abwechseln, da schaue ich schon genau drauf und will für mich was rausziehen.

Was für eine Film möchtest du machen?                                                             Ich will da einen Dokumentarfilm machen, eine Dokumentation über mich, mit Musikplots dazwischen und Interviews und so weiter. Es soll so ein bisschen grenzwertig sein zwischen real und doch nicht real. Ich verkörpere da einen Rockstar, und zwar mich selbst als Rockstar, der ich ja nicht bin, aber nichts in dem Film weist darauf hin, dass ich es nicht bin. Also die perfekte „Illusion“, und damit sind wir auch wieder bei einer starken Parallele.                            Bist du durch das Hörspiel „Illusion“ auf diese Idee gekommen?                  Nein. Ich hab Illusion erst kennen gelernt, als ich vor drei Monaten aus Alaska zurückkam und ich hatte diese Idee schon weit vorher, sogar schon, bevor ich wegging.

Denkst du, dass „Illusion“ bzw. deine Mitarbeit daran Einfluss auf dein weiteres kreatives Schaffen hat?                                      Aber klar! Jetzt nicht unbedingt konkret nur „Illusion“. Ich bin einfach jemand, der immer interessiert ist an allen möglichen Kunstprojekten und daran, wie andere Leute solche Dinge angehen. Ich hab immer offene Augen und kann immer lernen von so Dingen. Das sind alles Erfahrungswerte, da schaut man hin, und die Sachen, die einem gefallen, übernimmt man natürlich auch. Wenn man das nicht macht, verbaut man sich ganz viele Lernmöglichkeiten. Ich hab bei „Illusion“ sicherlich einiges gesehen, bei dem ich mir vorstellen kann, das für mich auch zu übernehmen.

Was wäre das zum Beispiel?                                                                              Das wäre unter anderem die sorgfältige Ausarbeitung zwischen dem musikalischen Teil und dem Handlungsteil. Und wie das eben verbunden wurde, wie eben die Handlung mit Musik ganz gezielt untermalt wurde, und wie extra dafür Musik komponiert wurde. Das ist ein starker Teil, der mir sehr aufgefallen ist bei „Illusion“.                                                                                 Und wenn du an die Zukunft von „Illusion“ denkst?                                           Ich freu mich auf die Release-Party, ganz klar, ich hab zwar nicht so viel geleistet, aber ich hab trotzdem teilgenommen und darf mich schon auch als Teil des Projekts fühlen und bin natürlich auch stolz. Ich hoffe, dass das Hörspiel die Anerkennung bekommt, die es verdient und dass die Leute sich

auch wirklich die Mühe machen, zuzuhören. Es ist nicht „easy listening“, es hat sehr starken Anspruch und man muss sich die Zeit und auch die Muße nehmen, richtig hinzuhören, um wirklich rauszuziehen, was es da rauszuziehen gibt. Insofern wünsch ich mir, dass die Besucher der Release-Party dazu auch bereit sind.

Hier kannst du mal probeweise reinhören