Eternal Dancing Transit Town

vincent
Fortschritt ! Schon lange befand mein Volk sich auf dieser Wanderung, wird in den
"Chroniken der tausend Schritte" berichtet, ungeduldig zunächst, heftig drängend, dann immer mehr der Lethargie des eintönigen Marschierens ergeben, und irgendwann soll ihnen auch das geheimnisvolle, glückverheißende Wort
verlorengegangen sein, heißt es... Eines Tages beschloss ich, die anderen zu überlisten und eine Abkürzung zu nehmen. Ich sprang über den Straßengraben und rannte quer über eine große Wiese auf den Waldrand zu, erst als ich dort ankam, hielt ich
inne und schaute zurück... Eine schmale Spur aus zertretenem Gras zeigte an, wo ich gelaufen war. Glücklicherweise folgte mir niemand und ich sah gerade noch, wie die letzten Nachzügler unseres Trecks um die Kurve bogen und aus meinem
Blickfeld verschwanden. Eigentlich hatte ich vorgehabt, mich geradeaus durch den Wald zu schlagen, um dann auf der anderen Seite mein Volk abzupassen und mich zu den stolzen Stürmern
an der Spitze zu gesellen, doch ich hatte nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet hier das Dickicht derart undurchdringlich sein würde. Ich gab mir alle erdenkliche Mühe, kroch bäuchlings über Wurzeln, modernde Baumstümpfe und moosbewachsene
Steine, zwängte mich durch Blätter und Gestrüpp, wand mich durch dornige Büsche, schwitzte, schnaufte, gab nicht auf, trat kleine Sträucher nieder, riss Zweige aus, bis meine Finger bluteten, schließlich brach ich sogar einen trockenen Ast ab
und versuchte, damit die ineinander verflochtenen Ranken zu zerreißen... Doch vergeblich; der Ast splitterte, ich war völlig machtlos und mir blieb nichts anderes übrig, als Stellen zu suchen, an denen das Buschwerk nicht ganz so dicht war,
auch wenn ich wußte, daß ich dadurch einen beachtlichen Umweg in Kauf nehmen musste, der mich sicherlich meinem hart errungenen Sieg kosten würde... ... Plötzlich jedoch stutze ich. In der Ferne zeichnet sich, zunächst noch unklar und verschwommen, dann immer deutlicher, die Silhouette von
"Eternal Dancing Transit Town"
ab, jener magischen Stadt, die stets im Zentrum all unserer verbotenen Mythen und Geschichten stand, doch an deren Existenz ich im Grunde genommen nie wirklich zu glauben gewagt hatte. Dunkel und erhaben ragen ihre mächtigen Türme und Zinnen gegen den nun tiefrot glühenden Horizont. Eine nie gekannte Ehrfurcht ergreift mich. Ich weiß nicht, ob ich tatsächlich wünsche, diesen Ort zu betreten, entscheide mich aber, dass es besser ist, dort um Unterkunft zu bitten, als die Nacht allein im Wald zu verbringen, und so lenke ich meine Schritte in jene Richtung, gleichsam ängstlich und fasziniert... Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet, entsinne mich jedoch, dass es stets hieß, wer immer den traumgeweihten Boden dieser Stadt betritt, für den könne danach nichts mehr so sein wie zuvor.
Das Tor ist unbewacht. Enge, gewundene Gassen, darüber der Nachthimmel: Pechschwarz
und mit goldenen Sternen gesprenkelt. Es riecht nach Reseden, wildem Thymian und geschmolzenem Teer. Scheinwerfer spiegeln sich in Fensterscheiben. Ein Hund döst träge auf einer Treppe. Der Boden strahlt noch immer Tageswärme aus. Der Morgen dämmert, im Osten
verfärbt sich der schmelzende Himmel eisblau, und kühle Luft, die aus dem magischen Moment zwischen den Zeiten aufsteigt, umstreicht mich. Als ich Tausende von taumelnden Träumen
und tränenbenetzten Augenblicken später erwache und die Augen aufschlage bin ich alleine, und mein erster Blick fällt auf den merkwürdigen Fleck an der Decke, der über Nacht ein beachtliches Stück gewachsen ist und mir nun saftig und dunkelrot
entgegenleuchtet. Vom Flur her ertönt Staubsaugergebrumm, ähnlich dem drohenden Summen eines metallenen Hornissenschwarmes, das sich mit dem schmerzhaften Pochen in meinem Kopf zu einer unerfreulichen Melodie vermischt. Ich stehe auf und
verlasse das Hotel. Unsicher wandere ich umher, durchkreuze heruntergekommene Gassen, spähe verstohlen in dunkle Hinterhöfe, doch die einzigen Wesen, denen
ich begegne, sind räudige Ratten, die empört vor meinen Schritten flüchten, um sich dann in Müllcontainern zu verkriechen. Ich kehre ins Hotel New Vineta
zurück, verzehre hungrig einen Apfel und beginne dann, die kahlen Wände meines Zimmers mit Wachsmalzeichnungen zu verzieren. Dabei berühre ich versehentlich den roten Fleck an der Decke. Mir fällt auf, dass er sich feucht und klebrig anfühlt. Ich erschauere.
Ein Blumenkind mit
fiebrig-glasigem Blick tanzt an mir vorbei. In ihren zottigen Haaren hat sich eine Libelle verfangen, die verzweifelt strampelt, um freizukommen. Es riecht nach Räucherstäbchen. Rosenduft. Dazu die modrigen Dünste verrottender Morcheln. Der
verzerrte Sound einer E-Gitarre. Abrupt bricht die Musik ab. Dumpfe Lautsprecherstimmen: "Achtung, Passkontrolle! Bitte zum Parkeingang kommen und dort die Ausweise vorzeigen!"
Der Abend ist mir verdorben, und statt den anderen zu folgen schleiche ich auf Umwegen zurück ins Hotel New Vineta. Dort arbeite ich stetig an meiner Wandzeichnung weiter, bis plötzlich etwas Warmes, Feuchtes auf meine Stirn fällt.
Unwillkürlich schaue ich nach oben. Der Fleck an der Decke ist schon wieder größer geworden hat und darüber hinaus zu tropfen begonnen. Ich fahre mit dem Finger darüber und lecke ab - eindeutig, es handelt sich um Blut. In jeder der vier Ecken steht eine mit Kräutern gefüllte Glasschale. Jemand zündet die
Kräuter an und sofort schießen lodernde Stichflammen empor, purgatorische Feuer aus fremden Gefilden, die lautlos flackern und schwelen. Moschusähnlich duftender Rauch breitet sich aus. Allmählich überkommt mich das Gefühl, alles, was mich
umgebe, sei bloß der halluzinatorische Schatten irgendeiner viel tieferen, profunderen Wahrheit, in die ich nun hinabzugleiten beginne, die Ruine meines Bewusstseins stetig hinter mir lassend, immer schneller, ohne Möglichkeit, diese wilde
Fahrt inmitten der Fragmente meiner Gedanken zu unterbrechen. Offenbar soll hier ein Zeremoniell stattfinden, bei dem rasende Geister heraufbeschworen werden, welche man vielleicht besser ruhen ließe...
Fort von Woodstocks schmutzigem Schlamm,
von Tränen, Blut und Exkrementen,
immer weiter,
über stählerne Highways und durch dunkle Tunnel
in Richtung einer hochtechnisierten, logisch erklärbaren Cyberspacewelt,
porzellanäugig einer makellosen Luxuslandschaft entgegen...
Ich selbst bin unterwegs zur Welt gekommen, war von Geburt an heimatlos. Das zauberische Wort habe ich nie vernommen. Lange vor meiner Existenz schon ist es in Vergessenheit geraten. Und wir, die
jungen Reisenden, fragten nie. Nur manchmal, wenn die Nacht ihren Rachen aufsperrte und der samtige Wind seine sternenfremden Lieder wisperte, wagten wir es, heimlich von uralten Legenden zu zehren und uns ein freudvolles Sein im Glanze einer
ewigen Heimat vorzustellen...
Und am Morgen danach fehlte manchmal einer. Die Alten nickten wissend und errichteten keine Grabstätte.
- Aber man hatte es ja immer so gut mit mir gemeint! Damit ich nicht selbst gehen mußte und in
Ruhe an meiner Colaflasche nuckeln konnte, hatten sie mich in ein Wägelchen gesetzt, das von einem zierlichen weißen Pony gezogen wurde. Einige Jahre später schirrten sie mein Pony aus, ließen es frei und bauten stattdessen einen Motor ein.
Schließlich kam der Zeitpunkt, als ich beschloß, ab jetzt ebenfalls zu Fuß weiterzugehen. Ich fühlte mich ungeheuer stark und war stolz, bereits mit der Masse Schritt halten zu können.
Und aus dem Fortschreiten, wurde ein Fortlaufen,
andere überholen und zur Seite drängen, Erste sein wollen, begeistert machte ich mit bei diesem ehrgeizigen Gaukelspiel, ohne zu wissen, was an dieser Position überhaupt so erstrebenswert sein mochte, und im Eifer vergaß ich allmählich die
sehnsuchtstrunkenen Nächte...
Nun war ich also endgültig auf mich alleine gestellt.
Mit eiserner Disziplin kämpfte ich mich voran. Kaum spürte ich noch den dumpfen, pochenden
Schmerz in meinen Handgelenken. Das Blut rauschte in meinen Ohren. In meinen Haaren klebte Harz. Die Schatten wurden länger und der allmählich zunehmende rötliche Schimmer am Himmel schien auf obszöne Weise meiner Hilflosigkeit zu spotten.
Betäubende Müdigkeit machte sich in mir breit. Mein Volk vermochte ich nirgends zu erblicken. Panik keimte in mir auf und drängte die Wut über meine Niederlage nach und nach in den Hintergrund. Einsam irrte ich durch den Wald. Ich verfluchte
meinen schlechten Orientierungssinn und wusste nicht, wohin ich mich wenden sollte...
Bunte, graffitibesprühte Häuser. Rauchende Schornsteine. Motten taumeln verstört durch die laue Luft. Hinter einer Glasscheibe postkartengroße Kunstdrucke von Gemälden aus verschiedenen Epochen. Aquarien. Kräne am
Hafen. Sämtliche Schilder sind in fremden, elegant verzierten und verschnörkelten Buchstaben geschrieben.
Auf der Straße spielen Kinder "Himmel und Hölle" in einem Kreidefeld, welches bereits so verwischt ist, dass die trennenden
Linien beim besten Willen nicht mehr zu erkennen sind. Ein kleiner Junge auf einer Schaukel juchzt laut.
Als ich eine Gruppe von Passanten frage, wo ich eventuell einen Stadtplan kaufen könnte, ernte ich bloß erstauntes Gelächter: Hier gebe
es keine festgelegte Ordnung, klärt eine hagere Frau mich auf, die Gebäude stehen da, wo sie eben zufällig stehen, und wohin die Straßen führen, muss ich schon selbst herausfinden.
Also schlendere ich noch ein wenig umher. Immer mehr
jedoch verhärtet sich mein Verdacht, daß diese Stadt gar nicht so konzeptlos angelegt ist, wie man mir noch eben klarzumachen versuchte - vielmehr scheint hier eine Art subtiles System das augenscheinliche Chaos zu beherrschen, dessen
genaue Regeln ich allerdings noch nicht erfassen kann.
Breite Kanäle und Wasserstraßen ziehen sich durch das angebliche Labyrinth. Hohe, pittoresk gewölbte Brücken. Blumengeschmückte Hausboote. Auf einem von langen, schmalen Fassaden
gesäumten Platz heischen Gaukler und Akrobaten um Aufmerksamkeit. Ein junger Mann im Harlekinskostüm jongliert mit brennenden Stöcken, und von der Schulter eines Leierkastenspielers aus blinzelt mich ein Äffchen mit obsidianchwarzen Augen
neugierig an.
Im "Hotel New Vineta", das mir wegen seiner großen, gläsernen Drehtür sogleich auffällt, erkundige ich mich nach einem Nachtquartier und bekomme von der Wirtin ein Zimmer auf der vorletzten Etage zugewiesen,
welches - abgesehen von einem seltsamen, bräunlichroten, eingetrockneten Fleck an der Decke - ausgesprochen gemütlich ist.
Vor dem Schlafengehen möchte ich mir noch etwas die Beine vertreten. Einen kurzen Augenblick zögere ich zwar, als ich
an der Türschwelle stehe, hinter mir die freundliche Wärme meines gemieteten Gemachs, vor mir unebene Straßen einer fremden Stadt, doch dann marschiere ich entschlossen drauflos.
Mittsommernacht.
Alle Menschen, denen ich begegne, lächeln zufrieden, dabei murmeln sie halblaut unverständliche Silben und Satzfetzen vor sich hin.
... sollte sie wirklich wahr sein, jene Sage, dass man hier
noch das geheimnisvolle, glückverheißende Wort kennt, welches bei meinem Volk aus unerklärbaren Gründen schon vor langer Zeit in Vergessenheit geraten ist...?
Ich bin viel zu sehr in meine Gedanken versunken, um zu bemerken, dass im
Kopfsteinpflaster der Straße einige Steine fehlen, bis ich plötzlich in eine dadurch entstandene Lücke trete und stolpere. Ein junger Mann mit blonden Haaren und einem perlenbestickten Stirnband fängt mich auf und legt den Arm um mich.
Gemeinsam gehen wir weiter, quer über einen Platz mit einem Springbrunnen. Fein geäderte Muster ziehen sich durch den Stein der marmornen Statuen. Erstarrte Einhörner und Faune speien glitzernde Fontänen. Im Wasser schimmern verzerrte
Spiegelungen von unseren Gesichtern und dem anschwellenden Mond, scheinbar auf der gleichen Ebene.
Ich möchte verweilen, mein Begleiter drängt jedoch weiter und führt mich in einen Park.
Die Hitze und der Blumenduft sind hier betäubend.
Eine Band spielt. Überall sind junge Menschen in bunten Gewändern, einige tanzen barfuß und mit fest geschlossenen Augen zu den sphärischen Klängen der Musik, andere sitzen auf dem grasbewachsenen Boden und unterhalten sich. Ich lasse mich
ebenfalls nieder. Jemand drückt mir ein Glas Rotwein in die Hand. Ich trinke aus und sofort wird nachgeschenkt. Überall sind Kerzen aufgestellt, deren Flammen im leichten Nachtwind flackern und zuckende Schatten auf die Gesichter meiner
Mitmenschen werfen, die in diesem Licht rätselhaft, unergründlich, fast schon wie edle Phantasiegestalten aus einer fremden Sage wirken.
Eine zierliche Frau mit langen, glatten Haaren und einem Kranz aus Gänseblümchen auf dem Kopf
kniet sich neben mich und dreht sich eine Zigarette. Mit der Zeit gesellen sich immer mehr Leute dazu. Ich erkundige mich danach, wo sie ursprünglich herkommen, erhalte jedoch nur vage, ausweichende Antworten. Von furchtsamen Karawanen ist
gelegentlich die Rede, von goldenen Pionieren des Schreckens, von Patrouillen vor rußgeschwärzten Hütten, doch niemand möchte seine Andeutungen näher erklären. Ich wundere mich: Fürchtet man sich vor den eigenen Erinnerungen? Oder haben solche
Erlebnisse für diese Leute tatsächlich keinerlei Wichtigkeit mehr? Ist vielleicht die Allgegenwart des geheimnisvollen, glückverheißenden Wortes
hier einfach so stark, so mächtig, so überwältigend, dass jede Vergangenheit daneben bedeutungslos erscheint?
Eine neue Rotweinflasche wird entkorkt. Unsere Gruppe wächst. Wir stoßen an. Auf Eternal Dancing Transit Town, auf diesen
Park, auf unsere Gemeinschaft. Ich fühle mich geborgen. Zu Hause angekommen.
Ich stehe auf und spaziere ein wenig zwischen den einzelnen Gruppen umher.
Der Boden scheint leicht zu schwanken. Zwei Frauen in wallenden Gewändern und mit
feder- und muschelbesetzten besetzten Masken vollführen ekstatische Bewegungen, dem Zauber der Musik völlig hingegeben. Eine gnomenhaft verwachsene Gestalt mit einem aus Rinde und Laub gewundenen Gürtel und einer bunten Narrenkappe trommelt
und kichert dabei manisch. Auf einer Plane sind Kräuter zum Trocknen ausgebreitet. Ein magerer Junge im Peter-Pan-Kostüm steigt auf seinen Stelzen geschickt darüber hinweg. Irgendwo brennt ein Lagerfeuer. Ich setze mich und werde auch hier
sofort mit Wein und erdbeersüßem Lachen willkommen geheißen. Funken stieben schalkhaft in den Himmel, und rege nähren wir die zuckenden, züngelnden Flammen mit frischen Scheiten.
Schließlich beginne ich ebenfalls zu tanzen, der junge Mann
mit dem Stirnband hält mich an den Händen, unsere Haare fliegen, die Band spielt die moderne Version irgendeines Volksliedes, und gemeinsam wirbeln wir rauschhaft durch einen Strudel freudiger Gesichter...
Behutsam berührt mein schöner Begleiter meine zitternde Haut.
"Frierst du?"
"Ich weiß nicht. Vielleicht ist es auch nur der Tribut, den die Nacht jetzt fordert."
"Wo wohnst du?"
"Im Hotel New Vineta. Möchtest du mitkommen?"
"Hotel New Vineta?!"
Es ist, als ob ein ängstlicher Schatten scheint für einen kurzen Moment seine Augen umschleiert.
"Stimmt irgend etwas damit nicht?"
"Nein, nein, es ist nur... Nichts! Nein, nichts. Ein alter Aberglaube, nichts weiter.
Gerüchte. Unhaltbar. Sollen sie in die Schluchten des Vergessens sinken!"
"Also..."
"Lass uns gehen. Ich habe keine Angst. Nicht an deiner Seite, geliebtes Venuskind!"
Einsam trotte ich durch öde Straßen, ständig in der Hoffnung, zufällig irgendwo auf einen meiner neuen Freunde zu stoßen, doch alles Suchen ist vergeblich.
Vor Kaffeehäusern sitzen auf metallenen Stühlen Herren mit
hohen Zylindern und lederbezogenen Aktentaschen und mustern mich gleichmütig aus ihren goldenen Augen. Ich friere mehr denn je.
Ein Gebäude mit einem Wetterhahn, der sich knirschend im Wind dreht, fällt mir auf. Überrascht trete ich näher
und erkenne, dass es sich um eine Boutique handelt, in deren blankgeputzten Scheiben ich mich spiegele.
Ich schreite über die Türschwelle. Ein elektrischer Ofen verbreitet angenehme Wärme. In meiner Nase kitzelt trockener Staub.
Der
Inhaber des Geschäfts, ein feister Mittvierziger im zeitlos-dezenten Anzug und mit karierter Krawatte, begrüßt mich höflich. Seine goldschimmernden Pupillen lassen keine Gefühlsregung erkennen. Nach kurzem Anprobieren wähle ich eine hüftlange
Jacke aus Kunstpelz. Neben der Kasse steht ein Schiff in einer gesprungenen Flasche. Während ich bezahle, kommt mir eine Idee. "Entschuldigen Sie bitte," spreche ich den jugendlich wirkenden Verkäufer mit der schrundigen, ungesund
geröteten Haut an, "aber ich habe da gestern einen netten Menschen getroffen und würde ihn gerne noch mal sehen... Vielleicht kennen Sie ihn ja ebenfalls und könnten mir einen kleinen Gefallen tun, indem Sie mir helfen, ihn
wiederzufinden... Es handelt sich um einen jungen Mann, etwa diese Größe," - ich fuchtele vage mit der linken Hand oberhalb meines Kopfes in der Luft herum - "lange blonde Haare, milchweiße Haut, funkelnde Augen..."
Der
Verkäufer wirkt für einen kurzen Augenblick irritiert, beinahe fassungslos, dann schüttelt er vehement den Kopf, nein, er kenne solch eine Person nicht, und auch der Geschäftsinhaber, der sich bisher im Hintergrund gehalten hat, zuckt
bedauernd die Schultern. Sein goldener Blick streift jetzt fast schon verächtlich über mich hinweg.
Gegen Gitterzäune gekehrter Unrat. Verwitterte Plakate werben für eine karnevaleske Parade.
... Aber vielleicht müsste ich ja einfach nur zu diesem Park zurückkehren...
Ich laufe drauflos. Erreiche den Platz mit dem Springbrunnen. Diesmal sprüht jedoch keine glitzernde Fontäne empor, und im trüben, abgestandenen Wasser des Beckens
treiben verrostete Coladosen sowie ein Teddybär mit fahl gewordenen Glasaugen und aufgeschlitztem Bauch.
...Soll das hier tatsächlich noch Eternal Dancing Transit Town
sein, jener angeblich einzigartige Ort, an dem das geheimnisvolle, glückverheißende Wort lebendig ist...?
Es dämmert bereits. Ich möchte noch einen letzten Versuch wagen, begebe mich nach draußen ins Zwielicht von Eternal Dancing Transit Town - und richtig, nun finde ich auch mühelos unseren verwunschenen Park...
Erst jetzt bemerke ich, dass heute keine Band spielt. Irgend jemand hat bloß einen Plattenspieler mitgebracht, und nun dudelt immer wieder das gleiche Lied über die Wiese. Schrille Töne schlängeln sich
zwischen Menschenleibern hindurch und fallen in mein Weinglas, das unter dem Druck zu bersten droht. Der aufsteigende Zigarettenrauch formt sich zu grotesken, boshaft verzerrten Fratzen, und Schatten wirken mit einem Mal wie Spuren aus
geronnenem Blut, die jede Person unweigerlich hinter sich herzieht. Aus den Blicken der Menschen lodern mir Abgründe entgegen, welche mich schaudern machen.
In einiger Entfernung entdecke ich Bekannte von gestern. Phlegmatisch kauern sie
auf Decken und Tüchern mit psychedelischen Mustern und nehmen mich zunächst kaum wahr, als ich ihnen erleichtert winke. Ich geselle mich dennoch zu ihnen und erkundige mich nach meinem einstigen Begleiter. Niemand weiß, weshalb er verschwunden
ist. Man scheint sich vage über mein Auftauchen zu freuen, doch meine Fragen stoßen auf keinerlei Interesse. Wen kümmert schon, was geschehen sein mag...
Trotzdem: Es gibt Rotwein. Lachsschnitten und eisgekühlten Champagner. Zufriedene
Lächeln. Sommersprossengesichter. Wir erzählen orientalische Märchen.
Ich gehöre dazu. Unverstanden, aber zumindest nicht verstoßen. Bin dankbar für diese tröstende Zusammengehörigkeit.
Von Fäulnis zerfressene Holzbänke.
Der Junge
im Peter-Pan-Kostüm zeichnet einen Phoenix. Ganz in unserer Nähe wird eine Pantomime mit sichtlich frivolem Inhalt aufgeführt. Da die Zuschauer ebenfalls verkleidet sind, vermag man sie kaum von den Akteuren zu unterscheiden. Eine Gruppe
junger Leute spielt Karten. Der bucklige Gnom sitzt daneben, die Narrenkappe auf dem Kopf, und ein lautloses Lachen schüttelt seinen gekrümmten Körper.
Dann beginnen wir zu tanzen, halten einander an den Händen, bilden einen Kreis und
lassen uns so mit geschlossenen Augen lasziv von der Musik treiben.
Endzeitstimmung. Generation X, Aufbruch zum Untergang?! Und wennschon! Ich fürchte mich nicht; nicht in dieser Gruppe! Will dem Vulkan des Daseins, was auch immer er
bringen mag, ohne zu zaudern ins brodelnde Auge schauen, ekstatisch und voller Leidenschaft, meiner dunklen, sinistren Lebenslust ergeben...
Live every day as if it were your last, because it is already your first!
Eine sündhaft anmutende, morbide Freude erfüllt mich.
Ich blinzle zwischen den
Lidern hindurch. Verschwommen erkenne ich einige uniformierte Polizisten in Begleitung elegant gekleideter, goldäugiger Herren mit hohem Zylinder - unter ihnen auch der Inhaber jener Boutique - , die herumgehen und einzelne Personen extra
auffordern.
Sofort schließe ich die Augen wieder.
Jetzt bloß keine Störung zulassen und einfach genüsslich weitertanzen zu der imaginären Melodie in unsere Köpfen, alle zusammen als magischer, undurchdringbarer Kreis aus verschlungenen
Körpern, rhythmisch und hingebungsvoll...
Doch ich spüre bereits, wie mein rechter Nachbar den Griff lockert und dann seine Finger ganz zurückzieht, mein linker Nachbar tut das gleiche, und mit einem Mal stehe ich alleine da. Ich schaue
mich um und sehe nur noch, wie all meine Freunde sich von mir entfernen und durch eine Allee aus schlanken Zypressen in Richtung Parkausgang streben.
Klaustrophobische
Angst packt mich. Ein einziges Wort beherrscht mein Denken: Flucht! Für einen kurzen Moment stehe ich starr, vor Schreck paralysiert, dann stürze ich panikerfüllt durch die gläserne Drehtür nach draußen.
Haste stolpernd durch nächtliche Gassen. Ziellos.
An einer Straßenecke haben sich Jugendliche versammelt. Wachsbleich sind ihre Gesichter, und ihre Kleidung strahlt eine sorgfältig gepflegte Vulgarität aus. Ich kann die Einsamkeit nicht
mehr länger ertragen und begebe mich zu ihnen. Hinter ihren dunklen, spiegelnden Sonnenbrillen vermag ich die Augen nicht zu erkennen.
Gemeinsam klettern wir durch das zerbrochene Kellerfenster eines Abbruchhauses. Schweigen. Finsternis.
Jemand schaltet eine Taschenlampe an. Grob verputze Wände. Der Spiegel ist mit einem Tuch verhängt. Ich frage nach dem Grund dafür, und
ein Mädchen mit blutrot geschminkten Lippen und abblätterndem schwarzem Nagellack erklärt mir vertraulich, keiner aus der Gruppe könne mehr den Anblick seines eigenen Spiegelbildes ertragen.
Langsam beginne ich zu begreifen...
Vielleicht sind dies ja die Menschen, die - ohne es selbst zu wissen - die Fähigkeit besitzen, in ihren eigenen reflektierten Gesichtern das geheimnisvolle Wort
zu lesen, welches sowohl glückverheißend sein kann, als auch durch seine Intensität in den tiefsten, qualvollsten Wahnsinn treiben zu treiben vermag...
Mein Körper prickelt. Gleißende
Feuerräder rotieren vor meinen Augen. Ein Kartenhaus aus grellen Visionen stürzt über mir zusammen.
Irgendwer steigt auf einen Stuhl und beginnt zu predigen:
"Zeitalter des Wassermann - Die Luft löst sich in ihre einzelnen Partikel auf
und mein Bild der Welt zerfällt in winzige, lyrische Mosaiksteine voll Schmerz und Anmut. Der Lichtschein der Flammen zuckt, dann verformt er sich zu den Umrissen von nackten, tanzenden Gestalten aus Feuer, die lautlos zwischen uns
hindurchgleiten. Langsam begreife ich, dass bei dieser Séance nicht ein einziges, außenstehendes Wesen gerufen wird - vielmehr steigt aus jedem von uns jetzt eine düstere, kultische Schattengestalt auf... Stunden später erwache ich aus wirren, apokalyptischen Träumen und taumele zurück zum Hotel New Vineta, das trotz allem mein einziger Zufluchtsort ist. Die Drehtür klemmt, und ich
stehle mich durch den Hintereingang in mein Zimmer und lasse mich auf den samtig bezogenen Sessel fallen. Erleichtert atme ich auf. Selbst der unheilvolle Fleck an der Decke kommt mir jetzt wohltuend vertraut vor. Abrupt fahre ich auf, weil ich höre, wie jemand meinen Namen zischt. Ich drehe mich um – und tatsächlich, im Nachbarhaus, das Wand an Wand mit dem Hotel New Vineta
steht, beugt sich jene gnomenhaft verwachsene Gestalt, die am ersten Abend im Park getrommelt hat, aus dem Dachfenster und winkt mir verstohlen zu. Und ekstatisch laufen wir in den Wald, atemlos, berauscht an unserem eigenen dröhnenden, gewaltigen Gelächter, während hinter uns Eternal Dancing Transit Town in Flammen aufgeht.
- Chaos, Tod und Neubeginn!
Asiutamen, das Tanzhaus der Unterwelt,
lockt mit Orgien und Ekstase.
Blutige Sintflut.
Götterdämmerung.
Bilderbuchschmerzen.
Angekommen im eiternden Bauchnabel der Weltgeschichte.
Doch:
Pegasus' beschnittene Schwingen wachsen nach.
Shiva tanzt im Flammenkreis, und
Die Nacht der Schamanin beginnt.
Wir verbrennen Schaumstofffiguren mit aufgemalten Gesichtern
- billige Voodoopuppen unserer Seelen -
und warten auf den Dornröschen-Kuss aus einer anderen Dimension!"
So sehr ich mich auch
bemühe, ich kann meinen Blick nicht von jener predigenden, inbrünstig deklamierenden Person lösen, deren Gesicht von Sekunde zu Sekunde schuppiger, reptilienhafter wird, während die Bewegungen auf eine clowneske Weise unbeholfen sind.
Tigeräugig schauen die anderen mich an, gleich unruhig lauernde Raubtieren in einem girlandenbekränzten Käfig...
... und plötzlich scheint meine Wahrnehmung endgültig Achterbahn zu fahren, denn jetzt befinde ich mich nicht mehr in unserem
Keller, sondern auf einer großen Lichtung mit seltsamen, bunten Objekten, und ich bin von Werwölfen umgeben, die hungrig den blutroten Mond anheulen... Und dann... Es ist kaum zu fassen... Dann öffnet sich ein riesiges Auge, welches von einem
Ende des Horizonts zum anderen reicht... Der gesamte Himmel ist nichts weiter als ein Lid, das sich nun schwerfällig hebt und mir den Blick in eine Pupille gewährt, so profund, so erhaben, so gewaltig, so endlos, dass ich glaube, mein Herz
müsse stehen bleiben... Kristallklar, glänzend, wie in Kerosin getaucht wirkt die Landschaft unter diesem Schimmer, ich weiß nicht, wie lange ich das alles noch ertragen kann... Und immerzu kichert der Wind monoton, leise klirrend und
vollkommen unberührt von meinen peinigenden Ängsten...
Verwegener Leichtsinn macht sich in mir breit.
Geschlafen habe ich eigentlich genug - warum sollte ich also nicht versuchen, herauszufinden, woher das Blut stammt?! Schließlich, so denke ich, wird mich nach den Ereignissen dieser Nacht
kaum noch etwas in Schrecken versetzen können.
Ich fahre mit dem Aufzug ins obere Stockwerk und steige dann eine Wendeltreppe empor, die so schmal ist, dass hier keine zwei Menschen nebeneinander gehen könnten. Am Ende angekommen zwänge ich
mich durch eine angelehnte Tür... Und erstarre:
Ich befinde mich in einem eiskalten Speicherraum, der vollkommen mit Gold ausgekleidet ist. Mitten auf dem Fußboden liegt, das Gesicht nach unten, die Hüften in einer unnatürlichen Stellung
abgewinkelt, ein Mensch. Ich knie mich neben ihn, drehe ihn um... Es ist der leblose Körper des jungen Mannes, der mich in den Park geführt und dort mit mir getanzt hat! Sein Brustkorb ist aufgerissen und aus der Wunde sickert ununterbrochen
rotes, klebriges Blut, von dem die Dielen bereits aufgeweicht sind...
Dumpfes Entsetzen packt mich und erstickt jede weitere Gefühlsregung im Keim.
Plötzlich höre ich schwere, eisenbeschlagene Stiefel die Treppe hinaufpoltern. Rasch
gleite ich durch eine geöffnete Fensterluke, klammere mich an den rutschigen Schindeln fest und ziehen mich auf den Dachfirst. Jetzt habe ich einen großartigen Ausblick über die gesamte Fläche von Eternal Dancing Transit Town
, wo zur Zeit ein eigenartiges Durcheinander zu herrschen scheint...
Menschen reden erregt aufeinander ein oder verfolgen sich gegenseitig. Überall brechen Kämpfe aus, die zwar zunächst nur zwischen Einzelpersonen stattfinden, innerhalb von
Sekundenschnelle jedoch zu regelrechten Straßenschlachten ausarten. Steine fliegen, Leute gehen mit geballten Fäusten aufeinander los, prügeln sich und dreschen mit Brettern und Pfählen aufeinander ein, Barrikaden werden errichtet, Verwundete
schleppen sich in Hauseingänge... Und auf fast allen größeren Plätzen versammeln sich schwer bepackte Personen zu Gruppen, die, sobald eine bestimmte Anzahl erreicht ist, gemeinsam losziehen und sich entschlossen ihren Weg durch das Stadttor
bahnen.
„Rasch, komm her, ehe sie dich entdecken... Ja, genau, hier herüber... Aber pass auf...“
So schnell ich kann, krieche ich auf dem Bauch über den schmalen First. Die gekrümmte Gestalt hilft mir, in ihr Zimmer zu klettern. Mein Körper bebt vor Erschöpfung.
„Wer bist du?“ frage ich.
Mein Gegenüber grinst. „Ich? Ich bin der
Joker. Die letzte Karte im Spiel. Zu keiner Farbe gehörend. Der Possenreißer. Der Clown, der immer abseits steht. Das stupide Lachen im Hintergrund. Und niemand ahnt, dass allein mein Trommeln das Finale einzuläuten vermag...“
„Das Finale?!“
Er winkt er ab. Seine eisblauen Augen bilden einen eigentümlichen Kontrast zu dem bunten Gewand und der Narrenkappe mit den Glöckchen.
„Ihr seid so stolz, du und deine angeblichen Freunde, so stolz und jung und übermütig... Glaubt,
Eternal Dancing Transit Town
sei euer eigenes Werk, welches ihr mit der Macht eurer Jugend zu beherrschen vermögt... Doch schon längst wird diese Stadt nicht mehr von euch, den Bewohnern, regiert, auch wenn ihr bereit seid, alles zu tun, um immer wieder zu vergessen und weiterhin auf diesen süßen Mythos vertrauen zu dürfen. Es ist eine Clique goldäugiger Herren, denen das Traumgebilde eurer Stadt untersteht, allerdings hat sie kaum jemand hier je wirklich kennen gelernt... Sie leben nach Gesetzen, die ihr nicht zu begreifen gewillt seid, obschon allein dies eure Rettung sein könnte, da ihr dann vielleicht in der Lage wärt, gegen ihre überlegene Anwesenheit anzugehen. Ihr Ziel ist, „reich“ zu sein, und um das zu erlangen, haben sie untereinander seltsame Handelsbeziehungen abgeschlossen. Als Zahlungsmittel verwenden sie herausgerissene Menschenherzen. Ich bezweifle, ob ihnen allen überhaupt bewusst ist, dass sie dazu morden müssen. Ihr Anführer ist der Inhaber einer gewissen Kleiderboutique, und ihm gehört auch das
Hotel New Vineta...
Das Schicksal von Eternal Dancing Transit Town
dreht sich gleich einem Karussell immerfort im Kreise: Wochen- oder gar monatelang verschwinden hier Leute, ohne dass irgendwer daran Anstoß nimmt oder diesen Zustand zumindest hinterfragt, doch dann bricht irgendwann plötzlich Panik unter den Bewohnern aus. Von einem Tag auf den anderen verlieren sie das Vertrauen zueinander, und jeder erachtet seine ehemals besten Freunde nun als potentielle Mörder, welche für alles Unheil, das bisher geschah, verantwortlich sein könnten. Der Einzelne hat nur wenige Möglichkeiten, wie dies für ihn enden kann: Entweder er wird in irgendeine Kämpferei hineingezogen und kommt dort ums Leben, oder er schließt sich einem der Flüchtlingstrecks an und verlässt diese Stadt für immer, auf der Suche nach einer wahrhaftigeren Welt, oder aber er bleibt hier, hält sich im Hintergrund und wartet ab, bis die Situation sich wieder beruhigt hat, die Eskalation vorüber ist, um anschließend den verklärten Plastikzauber von
Eternal Dancing Transit Town
erneut aufleben zu lassen - eine vermeintlich glückselige Gesellschaft, die sich ungeachtet aller finsteren Geschehnisse im Untergrund in einem euphorischen, rauschhaften Taumel selbst feiert, und deren verbotene Kunde sich schon bald verbreitet und die nächste Generation enttäuschter Nachkommen von einstigen Flüchtlingen in ihren Bann zieht."
Ich beiße mir auf die Lippen.
"Aber das Wort," stoße ich schließlich hervor, "man behauptet, allein hier sei noch das geheimnisvolle, glücklichverheißende Wort
bekannt, und... Verdammt, niemals will ich jene gepriesenen Nächte vergessen, in denen wir schlaflos beieinander lagen, eingesponnen in ein dicht verwobenes Netz aus Sehnsucht, der Magie unbegreiflicher Visionen hingegeben..."
„Gerüchte! Gaukeleien!“ Der Joker kichert höhnisch. „Schon so lange kursieren sie unter den jungen Reisenden und locken sie immer wieder nach Eternal Dancing Transit Town... Doch sag mir, wieso seid ihr derart vermessen und
selbstherrlich, zu glauben, dass ihr das Wort einst besessen haben müsst und es euch bloß kurzzeitig verloren gegangen ist? Könnte es nicht auch sein, dass es noch nie über die Lippen eines Sterblichen gekommen ist? Dass ihr vielleicht
gar nicht in der Lage seid, solch ein Wunder zu vollbringen?“
„Aber... Aber wir...“
„Und muss es ausgerechnet ein Wort
sein?! Sieh mich an: Ich bin der Joker. Die Karte ohne Farbe, ohne Zugehörigkeit, ohne Sinn und Zweck! Der unverdiente Glücksgriff, der zufällige Sieg. Kann die Welt nicht begreifen, aber zumindest vermag ich über sie zu lachen, laut und hemmungslos. Das skurrile Labyrinth des Daseins ist mir fremd; dennoch fürchte ich es nicht, da es mir trotz allem immer noch ein Grinsen entlockt. Willst du mit mir kommen?!“
Ich freue mich immer über Kritik, Anregungen, Verbeserungsvorschläge und natürlich gerne auch mal ein Lob! :)

