Einst gab es ein wunderschönes hölzernes Karussellpferd namens Criko.
Das Karussell, auf dem er stand, befand am Rande eines großen Vergnügungsparks, zwischen einer Geisterbahn, einer Schießbude, einem Zerrspiegelkabinett und einem Riesenrad, und niemals sah Criko etwas anderes bei seiner Fahrt.
Tag für Tag drehte das Karussell sich langsam im Kreis, immerzu, jahraus, jahrein. Im Sommer brannte die Sonne auf das Dach, im Herbst peitschte Regen und Wind um die Karussellpferde, im Winter fiel sanft der Schnee auf die Buden des Vergnügungsparks; bei gutem Wetter drängten sich die Kinder und standen Schlange, um mitfahren zu dürfen, bei Regen zogen Criko und die anderen Karussellpferde einsam ihre Runden, doch abgesehen davon war jeder Tag gleich. Auch der Leierkastenmann spielte dazu ununterbrochen das selbe Lied auf seiner Drehorgel.

Nachts, wenn die Pforten des Vergnügungsparks geschlossen waren, wenn die bunten Lichter verloschen und wenn die schwere, dunkle Plane über das Karussell gezogen war, unterhielten sich die Karussellpferde leise miteinander.
„Ach,“ seufzte Criko immer wieder, „ich wünschte, ich wäre ein echtes Pferd, mit richtigen Beinen und festen, starken Hufen, die nicht an den Planken des Karussells festgeschraubt sind. Ich würde so gerne diesen öden, eintönigen Ort verlassen und hinausziehen in die Welt... Spannende Abenteuer möchte ich erleben, fremde Gegenden erkunden, mit dem Wind um die Wette laufen, dorthin, wo alles neu und unbekannt ist, und mich nicht immer nur im Kreis drehen...“
„Du bist ja verrückt,“ knurrten die anderen Karussellpferde. „Wo willst Du schon hingehen?! Wir wissen doch alle, dass es nur diesen Vergnügungspark gibt. Die Welt endet bei der Geisterbahn, der Schießbude, dem Zerrspiegelkabinett und dem Riesenrad, das ist allgemein bekannt. Oder hast du je etwas anderes gesehen? Na bitte!“
„Aber die Kinder,“ begehrte Criko trotzig auf, „irgendwo müssen die vielen Kinder doch herkommen, die auf uns fahren wollen. Ich weiß es genau, sie kommen von weither und zwängen sich zwischen der Geisterbahn, der Schießbude, dem Zerrspiegelkabinett und dem Riesenrad hindurch, um zu uns zu gelangen, und fremdartige Dinge haben sie dabei, die es hier nicht gibt, Zuckerwatte und Lutscher und riesige bunte Luftballons... Oh, ich würde so gerne mit ihnen gehen, dorthin, wo die Welt nicht durch ein paar armselige Buden begrenzt ist, wo alle Wege immer weiter in die  Freiheit führen und wo niemand mich zwingt, jeden Tag die selben langweiligen, gleichförmigen Runden zu ziehen...“
Die Karussellpferde brummten nur, teils verunsichert, teils verächtlich. Schließlich erhob ein altes graues Karussellpferd das Wort: „Du bist ein unvernünftiger Narr, Criko, wenn du so sprichst. Woher die Kinder kommen, braucht uns nicht zu interessieren. Es gibt Dinge, die wir nicht verstehen können, und du schadest nur dir und uns, wenn du zu viel darüber grübelst...“

Ein weiteres Jahr zog dahin, und noch eins, und noch eins. Immerzu drehte das Karussell seine einförmigen Runden zu den ewig gleichen Klängen der Leierkastenmusik. Mit der Zeit hatte Criko es aufgegeben, über seine Sehnsucht nach jener fernen, unbekannten Welt zu sprechen, da die anderen ihn doch nie verstehen würden. Nur heimlich träumte er davon, seine Hufe von den Holzplanken zu lösen, die geblähten Nüstern dem Wind entgegen zu strecken und dann davon zu galoppieren, unbändig und voll Abenteuerlust, immer weiter und weiter...

Und dann, eines Nachts, hob sich plötzlich die Plane, mit der das Karussell bedeckt war, und eine müde kleine Fee mit zerzausten Haaren und einem schmutzigen, zerrissenen Kleid schlich sich zu den Karussellpferden herein. Als sie all die schönen Karussellpferde mit ihren prachtvollen buschigen Schweifen und dem perlengeschmückten Zaumzeug sah, seufzte sie vor Erleichterung und sank dann erschöpft zu Boden. Selbstverständlich waren die Karussellpferde sehr aufgeregt, alle riefen wild durcheinander und schnaubten und prusteten laut. Nur Criko blieb ganz still. Er hatte sich inzwischen damit abgefunden, niemals den Vergnügungspark verlassen und frei durch die Welt streifen zu können, und deswegen war ihm auch alles andere gleichgültig geworden. Was kümmerten ihn schon irgendwelche Ereignisse, wenn er doch immer ein Gefangener dieses Karussells sein würde, bis an sein Lebensende, und wenn sein Leben stets langweilig bleiben würde, egal, was geschah?!
Schließlich hatte die kleine Fee sich erholt, und sie erzählte ihre Geschichte: Schon seit vielen Jahren bestand ihre Aufgabe darin, zu zaubern, die Menschen zu schützen und böse Wesen zu verjagen. Bisher war sie dabei stets erfolgreich gewesen, doch zuletzt hatte sie gegen eine furchtbare, mächtige Hexe gekämpft, die auf einem gewaltigen Drachen ritt und den Kindern Alpträume brachte. Gewiss, auch diesmal war es ihr gelungen, die Hexe in die Flucht zu schlagen, doch noch im letzten Moment hatte der Drache sich umgedreht, sein riesiges Maul geöffnet, eine glühenden Flamme ausgespuckt und so den Zauberstab der kleinen Fee verbrannt. Ohne ihren magischen Stab aber, das ist allgemein bekannt, ist eine Fee sehr hilflos. Eine Fee ohne Stab kann zwar hier und da ein bisschen zaubern, aber sie besitzt längst nicht mehr die Kraft, sich gegen böse Hexen und Gespenster zu verteidigen. Die Karussellpferde brummten zustimmend. Ja, da hatte die kleine Fee wirklich ein ernstes Problem, das sahen sie ein. Und deswegen, fuhr die kleine Fee fort, hatte sie beschlossen, ihre letzten Zauberkräfte zu nutzen, um sich einen neuen magischen Stab zu schaffen. Solch ein Zauberstab musste jedoch, neben all den anderen geheimnisvollen Dingen, aus denen er bestand, auch mit einem Band umwickelt sein, das aus den Haaren von mindestens zehn Karussellpferden geflochten war. Jetzt war sie selbstverständlich sehr froh und erleichtert, dass sie auf ihrer langen, kräftezehrenden Wanderung endlich ein Karussell gefunden hatte, und so schlug sie den Karussellpferden einen Tausch vor: Sie bot ihnen an, jedem von ihnen einen Wunsch zu erfüllen, wenn sie dafür ein Haar aus jedem Schweif haben durfte.
Die Karussellpferde waren hellauf begeistert! Schließlich besaßen sie alle so schöne, flauschige Schweife, was zählte da schon ein einzelnes Haar?! Und natürlich hatte auch jedes Karussellpferd einen innigsten Herzenswunsch, der nun endlich wahr werden sollte: Das eine wünschte sich schon so lange glänzendere Schnallen am Zaumzeug, ein anderes träumte insgeheim davon, statt einem blauen einen roten Sattel zu tragen, ein drittes Karussellpferd, das schon sehr alt und abgenutzt war, wollte eine neue Lackierung, und zwei Pferde baten sogar, den Platz auf dem Karussell zu tauschen. All diese Wünsche wurden ihnen erfüllt, und die Karussellpferde jubelten vor Freude und bedankten sich immer wieder bei der kleinen Fee.
„Und du, was ist mit dir los?“ wandte sich die Fee schließlich an Criko. „Du hast noch überhaupt nichts gesagt. Wünschst du dir denn nichts?“
„Oh doch,“ flüsterte Criko leise, und vor Aufregung zitterte seine Stimme, „bitte... Ich möchte leben. Ich möchte frei sein. Ich möchte ein echtes Pferd sein und hinausziehen in die Welt.“
Die Fee wurde blass vor Schreck. „Du weißt nicht, was du da sagst,“ stammelte sie. „Gewiss, ich könnte dir diesen Wunsch erfüllen, aber glaub mir, du wirst mir dafür nicht dankbar sein. Ich flehe dich an, nicht wegen mir, sondern um deinetwillen – wünsch dir etwas anderes! Warum willst du unbedingt frei sein? Hier geht es dir gut. Du hast deine Freunde, du weißt stets, was der nächste Tag dir bringen wird, und du brauchst niemals Angst zu haben. Weshalb möchtest du das ändern? Fällt dir denn kein besserer Wunsch ein, einer, der dich wirklich glücklich macht? Ich könnte dir zum Beispiel schöne Funkelsteine für dein Zaumzeug schenken oder dir eine andere Farbe geben, oder ich könnte dich größer machen, wenn du möchtest...“
„Nein,“ antwortete Criko. Er fürchtete sich mehr als je zuvor, doch seine Stimme klang jetzt mutig und fest. „Wenn ich dir sage, dass ich leben und frei sein möchte, dann ist das kein unbesonnener Gedanke. Schon seit ich mich erinnern kann, sehne ich mich nach nichts anderem. Ich möchte gehen können, wohin mich meine Neugier treibt, statt mich immer nur im Kreis zu drehen...“
Die Fee zögerte einen kurzen Augenblick und musterte Criko nachdenklich, dann nickte sie. „Also gut, wenn dies wirklich dein einziger Herzenswunsch ist, dann werde ich ihn dir erfüllen. Aber du brauchst mir nichts dafür zu geben. Du wirst deine Freiheit teuer genug bezahlen, mit Angst, Einsamkeit und Ungewissheit. Und glaub mir, der Moment wird kommen, an dem du bereust und mich verfluchst...“
Sie murmelte halblaut einige Worte und hob beschwörend ihre Hände. Die Karussellpferde beobachteten sie gebannt. Und dann, tatsächlich, konnte Criko mit einem Mal spüren, wie der Nachtwind kalt und prickelnd durch seine Nüstern fuhr, wie sich seine Lackschicht in seidiges, weiches Fell verwandelte, unter dem sich Muskeln strafften, probeweise bewegte er sich, und, es war kaum zu fassen, es gelang ihm, den Kopf zu wenden, den Hals zu beugen, den Rücken zu strecken, etwas unbeholfen zunächst noch, ja, und dann hob er vorsichtig ein Vorderbein, und endlich, endlich, nach so vielen endlosen Jahren der Gefangenschaft konnte er seinen Huf von dem hölzernen Karussellboden lösen... Criko war frei. Ungläubig stakste er von dem Karussell herunter und probierte ein schüchternes Wiehern, rollte mit den Augen, unter ihm federte angenehm der weiche Grasboden, als wolle er Criko einladen, einfach drauflos zu galoppieren, der Wind fuhr durch Crikos Mähne und schien lockend von fernen, fremden Ländern zu flüstern... Und da gab es für Criko kein Halten mehr, er bäumte sich auf und stürmte los, wild und unbändig.

„Nun hat er seinen Kopf also doch noch durchgesetzt, der sture Kerl,“ nörgelte das alte graue Karussellpferd missmutig, und die anderen brummten zustimmend.
Die kleine Fee lächelte traurig. „Lasst ihn ziehen und urteilt nicht über Dinge, die ihr nicht kennt, sondern wünscht eurem Gefährten lieber alles Gute. Er kann es gebrauchen.“ Und dann erklärte sie: „Wisst ihr, jeder von uns hat von Anfang an eine bestimmte Gestalt, als Fee, als Karussellpferd, als Mensch, oder als irgend etwas anderes, was er sich nicht selbst aussuchen konnte. Die meisten von uns sind auch recht zufrieden damit und erfüllen ihre Aufgaben gerne. Nur manchmal,“ sie senkte ihre Stimme, „manchmal gibt es Wesen, die beständig die Sehnsucht nach etwas anderem in sich tragen und sich nicht abfinden können mit ihrem Platz in der Welt. Diese Wesen müssen härter kämpfen als alle anderen, um glücklich zu werden. Ich weiß nicht, ob ihre Freude größer ist als unsere, wenn sie ihre Wünsche erfüllen können – aber ich weiß nur, dass sie es bis dahin viel, viel schwerer haben als wir...“
Die Karussellpferde schwiegen jetzt. Jedes hing seinen eigenen Gedanken nach, und keines beneidete Criko mehr.

Währenddessen galoppierte Criko immer weiter. Er durchquerte einen Wald und stürmte über eine Wiese, der Wind pfiff und brauste in seinen Ohren, vor ihm erstreckte sich eine unermesslich weite Ebene, und Cricko schrie laut und gellend vor Freude. Endlich, endlich war er frei, endlich konnte laufen, wohin er wollte...
So lief Criko fast einen ganzen Tag lang, mal schneller, mal langsamer. Er sah bunte Blumen, Wolken, die über den strahlenden Himmel dahinzogen, er hörte den fröhlichen Gesang der Vögel und das leise, geheimnisvolle Rascheln der Blätter, er spürte den warmen Sonnenschein auf seinem Fell, er atmete den Geruch von Erde und frisch gemähtem Gras ein, und alles war für ihn wundervoll und neu. Criko fand, dass es ihm noch nie so gutgegangen war. Er staunte, als er daran dachte, wie besorgt die kleine Fee gewesen war und wie eindringlich sie ihn gewarnt hatte, und übermütig machte er ein paar muntere Bocksprünge.
Schließlich verspürte Criko jedoch ein seltsames, unangenehmes Ziehen im Bauch, und gleichzeitig fühlte er sich erschöpft und hatte gar keine richtige Lust mehr, weiterzulaufen. Es dauerte eine Weile, bis ihm einfiel, dass er wohl Hunger haben musste. Als Karussellpferd hatte er so etwas nie gekannt, und nun stand er vor dem Problem, dass er etwas zu essen finden musste. Vorsichtig knabberte er an einigen Ästen und Gräsern, doch alles, was er probierte, schmeckte entsetzlich bitter. Er überlegte gerade, wo er wohl einige genießbare Kräuter finden konnte, als er hinter sich plötzlich Stimmen hörte: „Seht mal, was für ein prächtiges weißes Pferd dort steht! Wir wollen es einfangen und mit nach Hause nehmen, damit wir immer darauf reiten können!“ Criko wandte sich um und sah einige Menschen auf sich zukommen. Die vielen Kinder, die einst auf Criko gefahren waren, als er noch ein Karussellpferd war, waren immer freundlich gewesen, sie hatten seinen Hals geklopft und seine Mähne gestreichelt, und manchmal hatten sie sogar so getan, als ob sie ihm Äpfel und süße Zuckerstücke reichten, und deswegen freute Criko sich zunächst und ging zutraulich auf die Menschen zu. Erst im letzten Moment bemerkte er, dass sie in ihren Händen lange Stricke trugen, und mit einem Mal wurde ihm klar, dass sie ihn binden und festhalten wollten. Die Menschen, die einst so gut zu ihm gewesen waren, waren jetzt zu einer Gefahr geworden! Augenblicklich drehte Criko sich um, schlug wütend nach seinen Verfolgern aus und galoppierte dann davon, so schnell er konnte. Er schnaufte laut, beim Einatmen schmerzten seine Lungen, und sein Herz schlug hart und heftig, während er dahinstürmte. Eigentlich hatte er inzwischen gar keine Lust mehr, so schnell zu laufen, aber ihm blieb nichts anderes übrig... Erst als er sicher sein konnte, dass er wirklich alle Verfolger abgeschüttelt hatte, verlangsamte Criko sein Tempo. Er befand sich nun mitten in einem tiefen, dichten Wald. Es wurde bereits dunkel, die Bäume warfen lange Schatten, Nebel stieg aus dem Unterholz auf und es wurde unangenehm kalt. Criko zitterte vor Hunger, Angst und Erschöpfung am ganzen Körper. Im letzten schwindenden Tageslicht erreichte er einen See, und als er sich darüber beugte und sein Spiegelbild sah, erschrak Criko: War er nicht einst der Stolz des gesamten Karussells gewesen mit seinem anmutigen, makellos weißen Leib? Und oh je, wie sah er jetzt aus! Sein Fell war mit Schmutz und Schweiß verklebt und war eher bräunlich-grau als weiß, über seine Flanke zog sich eine lange, verkrustete Strieme, und sein Kopf, den er früher stets stolz emporgereckt hatte, hing nun kläglich nach unten, so müde war Criko. Unglücklich legte Criko sich nieder. Ach, wie sehr sehnte er sich plötzlich nach dem Karussell zurück. Gewiss, sein Leben als Karussellpferd war nicht besonders aufregend oder ereignisreich gewesen, aber zumindest hatte Criko weder unter Hunger, noch unter Angst gelitten. Jetzt aber war er ganz auf sich gestellt, und er wusste nicht, was der morgige Tag ihm bringen würde. Ja, dachte Criko, jetzt verstehe ich, was die Fee meinte, als sie sagte, ich müsse meine Freiheit teuer bezahlen, und zwar mit Einsamkeit, Angst und Ungewissheit... Mit solch traurigen Gedanken schlief Criko schließlich ein.

Auch am nächsten Tag trottete Criko lustlos dahin. Plötzlich stieg ihm jedoch ein merkwürdiger scharfer, salziger Geruch in die Nase. Jetzt wurde Criko doch wieder neugierig, und erst langsam, dann immer munterer ging er diesem Geruch nach. Zwischendurch knabberte er an einigen Gräsern und stellte fest, dass er sich allmählich an den Geschmack gewöhnte und ihn gar nicht mehr so unangenehm fand wie noch am Abend zuvor. Die Bäume lichteten sich, wieder überquerte Criko eine weite Ebene, stundenlang lief er, das Gras unter seinen Füßen wurde allmählich härter, stechender, und der Wind nahm zu, und schließlich, als es schon dämmerte, erreichte Criko den Strand. Fassungslos blieb er stehen und starrte auf das Meer, das sich bis zum Horizont erstreckte. Die Wellen brausten, Möwen kreischten laut, das Wasser glänzte und funkelte im Licht der untergehenden Sonne, und Criko wusste, dass er noch nie so etwas Schönes gesehen hatte. Vorsichtig überquerte er den Strand, er spürte, wie der weiche Sand unter seinen Hufen nachgab, und setzte schließlich zaghaft einen Fuß in die Brandung. Angenehm kühl umspülte das Wasser seine müden Fesselgelenke, eine Welle schlug an seinen Beinen empor und spritzte ihn nass, und vor Freude wieherte Criko laut auf. Niemals, selbst in seinen kühnsten Träumen nicht, hätte er geglaubt, dass es solch einen herrlichen Ort geben könnte! Ja, hier wollte er vorerst bleiben. Dafür hatte sich alle Mühe gelohnt! Criko dachte an die anderen Karussellpferde zurück, die weiterhin Tag für Tag ihre eintönigen Runden drehten und nie etwas anderes sehen würden als die Geisterbahn, die Schießbude, das Zerrspiegelkabinett und das Riesenrad, und er bedauerte sie aus tiefstem Herzen. Jetzt, wo er diesen wundervollen Strand gefunden und das Meer gesehen hatte, das so riesig und weit war, konnte er sich beim besten Willen nicht mehr vorstellen, jemals wieder in den alten, langweiligen Vergnügungspark zurück zu kehren und dort immer nur im Kreis zu gehen, tagein, tagaus... Ja, natürlich, er hatte inzwischen gelernt, dass auch die Freiheit ihren Preis hat, nämlich Einsamkeit, Angst und Ungewissheit. Aber ebenso wusste Criko jetzt, dass es sich lohnte, diesen Preis zu zahlen, ja, dass er sogar sehr gering ist, wenn man bedenkt, wie wunderschön die Welt ist für denjenigen, der frei ist und neugierig und ungebunden umherstreifen kann, wie es ihm gefällt...

Stolz und glücklich bäumte Criko sich auf, und dann stürmte er wild buckelnd den Strand entlang.

 

 Ich freue mich immer über Kritik, Anregungen, Verbeserungsvorschläge und natürlich gerne auch mal ein Lob! :)

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