“Was mich sofort vom Schreiben überzeugte, war daß es relativ billig kam” erklärt J. Fauser in seinem Roman “Rohstoff”, und allein dieses Argument war es zunächst, welches
auch mich zum literarischen Schaffen hintrieb. Zweifelnden Lesern sei an dieser Stelle bloß der Preisvergleich zwischen einem exzesstauglichen Schlagzeug bzw. Staffelei und Ölfarben sowie einem Schreibblock samt Kugelschreiber (oft auch als
kostenloses Werbegeschenk erhältlich!) empfohlen! Später erkannte ich noch einen weiteren Vorteil: Schreiben ist äußerst diskret! Ein Berg Blätter hat wohl noch selten Verdacht erweckt, und mit regelmäßiger Übung kann man sich im Laufe
der Zeit zu derart kunstvoll verschlungenen, stilisierten Hieroglyphen emporschwingen, daß selbst der unverfrorenste Gast sich kaum durchzuringen vermag, diese entziffern zu wollen. Und im äußersten Notfall besteht noch immer die
Möglichkeit, den das literarische Werk enthaltenden Block rasch mit gezielten Fußtritten unter den Schrank, hinters Regal oder an einen ähnlich diskreten Ort befördern und so den neugierigen Blicken entziehen. Versuchen Sie dieses Experiment
doch bitte einmal mit Ihrem wertvollen Konzertflügel oder Ihren selbstgeschaffenen Skulpturen. Denn: Vermeintlich friedlich herumstehende Instrumente provozieren Ihren Besuch grundsätzlich zu der penetrant hervorgebrachten Bitte, “doch mal
kurz was vorzuspielen”, gefolgt von Kommentaren, die noch über Jahre hinweg rufschädigende Nachwirkungen haben können, und unvollendete Elemente der bildenden Kunst schreien regelrecht nach ästhetisch-kunstkritischen, hilfreichen oder gar
psychoanalytischen Bemerkungen (“Wieso hast du ausgerechnet so viel schwarz verwendet?! Weißt du denn nicht, daß in diesem Herbst die aktuellen Modefarben apricot und beige sind?!” “Da hinten würde ich noch einen lachenden Snoopy hinmalen, das
heitert dieses depressive Kriegsgeschehen vielleicht ein bißchen auf!” “Hmm... Ein maskierter Mann, der einen Gang entlangschreitet...Ein erdolchter Greis... Ein Blitz, der in eine überdimensionale Vagina einschlägt... Du solltest dir wirklich
mal Gedanken über mögliche noch ungelöste Konflikte bei der Bewältigung deiner ödipalen Phase machen...”). Darüber hinaus werden Sie grundsätzlich immer in die Verlegenheit gebracht, sich vor Ihren sogenannten “Freunden” rechtfertigen zu
müssen, warum Sie noch nicht die Charts gestürmt haben, noch keine Ausstellungen geben, in keinen Talk-Shows zu sehen sind, Verona Feldbusch und Jenny Elvers nicht die Hand geschüttelt haben, nicht in den Big-Brother-Container eingeladen
wurden, Ihre Werke nicht zur Verschönerung des doch recht öden Bundestagsgebäudes zur Verfügung stellen, nicht von Groupies bedrängt werden... Schon unser vielzitierter Nietzsche sagte sinngemäß, daß es besser ist, sich blamiert und den
eigenen Ruf völlig geeimert zu haben, als gar nichts zu tun, und ausgehend von diesem Argument habe ich mich entschlossen, hier ein ausgewähltes Repertoire meiner Kurzgeschichten zu präsentieren. Kritik, Anregungen, Vorschläge zu Möglichkeiten
der Veröffentlichung etc. werden herzlich erbeten (und keine Sorge, ich kann auch mit negativer Kritik umgehen ;) ).
Folgende Kurzgeschichten von mir sind derzeit Online:
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° Senta
° Vier
° Geisterstadt
° Kundalinì
° Traum-Reise
° NoName Story
° Eternal Dancing Transit Town
° Farewell Story
nadine


